Musiktherapie für
Menschen mit Demenz

Für Menschen mit demenzieller Erkrankung wird der Alltag zu einer immer größeren Herausforderung: Durch den Verlust des Gedächtnisses und der kognitiven Fähigkeiten verschwimmt für sie das Gefühl für Raum und Zeit. Es fällt ihnen immer schwerer, Geschehenes einzuordnen und Zusammenhänge zu erkennen. So wird das Leben zunehmend zu einer Aneinanderreihung von verwirrenden Szenen.

Gerade zu Beginn der Erkrankung kommt es zudem oft zu depressiven Verstimmungen, da Ausfallerscheinungen bemerkt werden, was Bestürzung und Verzweiflung hervorruft.

Im Verlauf der Erkrankung wird die Belastung meist größer, da auch der Kontaktaufbau immer schwerer wird – sowohl für die Betroffenen, als auch für die Angehörigen.

Hier kann die Musiktherapie einen neuen Weg für Verständigung möglich machen. Es ist ein Weg, für den die Sprache nicht unbedingt erforderlich ist. Musik geht „direkt ins Herz“, erreicht unsere Gefühle ohne Umwege und unabhängig von unserer körperlichen und geistigen Verfassung.

In den frühen Stadien der Erkrankung können mit Hilfe der Musik Spuren in die Vergangenheit gelegt werden. Meist geschieht dies im Rahmen der Gruppenmusiktherapie. Gemeinsames Singen vertrauter Lieder ruft Erinnerungen hervor, vermittelt Sicherheit, verstärkt das Gefühl für Gemeinschaft und die eigene Identität.
In der musiktherapeutischen Gruppe können demenziell erkrankte Menschen zudem aus ihrer sonst eher passiven Rolle im Alltag heraustreten und den Kontakt aktiv mitgestalten, durch Singen und Musizieren auf Instrumenten, für die keine Vorkenntnisse nötig sind.

Musiktherapie für Menschen in fortgeschrittenen Demenzstadien findet meist im Rahmen der Einzeltherapie statt. Hier hat die therapeutische Improvisation einen großen Stellenwert. Durch Singen und Spielen auf Therapie-Instrumenten gehe ich auf die momentane Befindlichkeit und Stimmung des Menschen ein, und biete ihm so Kontaktmöglichkeiten außerhalb der Welt der Sprache an. Musiktherapie kann in diesem Setting auch den Rückzug begleiten, und dabei im musikalischen Kontakt Sicherheit und Geborgenheit vermitteln.